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Archiv für die Kategorie „Gesundheitsversorgung“

Genossenschaften führen die Interessen vieler zusammen.

Dr. Wolfgang George: Das Rechts-, Wirtschafts- und Sozialformat bietet den handelnden Akteuren in der Krankenversorgung und der Gesundheitswirtschaft die Möglichkeit zur Etablierung einer wertegeleiteten Ökonomie. (Foto: Wilfried J. Klein)

Dr. Wolfgang George: Das Rechts-, Wirtschafts- und Sozialformat bietet den handelnden Akteuren in der Krankenversorgung und der Gesundheitswirtschaft die Möglichkeit zur Etablierung einer wertegeleiteten Ökonomie. (Foto: Wilfried J. Klein)

Das genossenschaftlich organisierte Handeln bietet sich an, um die Interessen vieler bei einer Projekt-Finanzierung oder beim Geschäftsbetrieb zusammenzuführen. Das demokratische Wirtschaftsprinzip der Genossenschaft ist als förderungswürdiges Staatsziel in zahlreichen Bundesländern aufgeführt.

Netzwerke verhindern Insellösungen.

Im Gesundheitswesen und der Sozialwirtschaft existieren tradierte Betätigungsfelder von Genossenschaften (Einkauf, Handel, Wohnungswirtschaft). Die für die gegenwärtigen Anforderungen (etwa nach Zusammenführung der Systembeteiligten, integrierter Zusammenarbeit) zeitgemäßen Lösungen existieren in der Praxis — wenn überhaupt — als unverbundene Insellösungen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Gesundheitsversorgung im Rhein-Main Gebiet

Dr. Eugen Becker (Apotheker & freier Journalist)

Dr. Eugen Becker (Apotheker & freier Journalist)

Das Rhein-Main Gebiet ist die drittgrößte Metropolregion und stellt eines der wichtigsten Wirtschaftszentren Deutschlands dar. Je nachdem, wo die Grenzen gezogen werden, leben hier cirka fünf Millionen Menschen auf etwa 11.000 Quadratkilometern in gut 400 Gemeinden. Rund 2,2 Millionen Arbeitsplätze sind in der Region vorhanden.

Im Folgenden stelle ich ex­emplarisch drei völlig un­terschiedliche Institutio­nen, bzw. Initiativen aus der Region vor, die bedeu­tende Beiträge zum The­ma  „Regionale Gesund­heitsversorgung“ leisten und, wie im Falle des ers­ten Beispiels, auch bundes­weite Bedeutung besitzen:

Die deutsche Apothekerschaft hat eine vorbildhafte Einrichtung in der Region Rhein-Main geschaffen: Das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker (ZL) in Eschborn.

Das ZL ist der Partner der Apotheken für alle Quali­tätsfragen zu Arzneimit­teln und apothekenübli­chen Waren. Insbesonde­re obliegen dem ZL die Si­cherstellung der Qualität von Arzneimitteln und die Förderung der pharmazeu­tischen Wissenschaft und Forschung. In regelmäßi­gen Abständen werden auf dem deutschen Markt zu­gelassene Arzneimittel auf ihre Qualität überprüft. Bei diesen vergleichenden Untersuchungen zeigt sich immer wieder, dass die Arzneimittel in der legalen Vertriebskette den höchsten Qualitätsansprüchen entsprechen.

Nicht nur Fertigprodukte sondern auch Ausgangs­stoffe und Packmittel wer­den im ZL auf Erfüllung der gültigen Qualitätsstan­dards getestet. Auf der Basis seiner langjährigen Erfahrung ist das ZL maßgeblich an der Entwicklung von analytischen Methoden zur Prüfung von Arzneimitteln und Identifizierung von unbekannten Zersetzungsprodukten be­teiligt.

Zum Wohle des Verbrau­chers werden zudem zahl­reiche Untersuchungen zur Dosiergenauigkeit und Vergleichbarkeit von Arzneimitteln  durchgeführt. Jede Apotheke hat die Möglichkeit Arzneimittel, Nahrungsergänzungsmittel aber auch Salben, Cremes und Flüssigkeiten auf nicht deklarierte Inhaltsstoffe untersuchen zu lassen. Durch diese Möglichkeiten wurden schon einige gefährliche und gesundheit­lich-bedenkliche Mittel ent­larvt: so enthielt z.B. ein „natürliches“ Schlankheitsmittel, welches über priva­te Kanäle und im Internet zu horrenden Preisen ver­trieben wurde, eine rezept­pflichtige Substanz mit er­heblichen gesundheitlichen Nebenwirkungen.

Das ZL überprüft experi­mentell beanstandete Ausgangsstoffe, Fertigarz­neimittel und  apotheken­übliche Waren im Auftrag der Arzneimittelkommissi­on der Deutschen Apothe­ker (AMK)1.

Eine Meldung der AMK: „Li-Da Schlankheitskap­seln - Aus einer Apotheke erhielten wir die umsichti­ge Einsendung von Schlankheitskapseln, die von Patienten über das In­ternet bezogen wurden, laut Herstellerangabe als Nahrungsergänzungsmit­tel bezeichnet werden und Pflanzenextrakte zur „Ver­ringerung von Fettablage­rungen“ enthalten sollen. Auf Ersuchen der AMK  hat das Zentrallaboratori­um Deutscher Apotheker die Schlankheitskapseln untersucht und den ver­schreibungspflichtigen Arzneistoff Sibutramin festgestellt.

Sibutramin ist ein Appetitzügler, der als Mittel der letzten Wahl zur arzneilichen Behandlung der Adipositas verwendet wird. Sibutramin hemmt die Wiederaufnahme von Noradrenalin, Dopamin und Serotonin im Gehirn und erzeugt so ein Sätti­gungsgefühl. In Deutsch­land ist dieser Wirkstoff nur in einem einzigen ver­schreibungspflichtigen Fertigarzneimittel enthal­ten. In der Vergangenheit sind die in chinesischen Schlankheitskapseln ge­fundenen Wirkstoffmen­gen fast doppelt so hoch gewesen wie die in Deutschland zugelassene höchste Einzeldosis.

Für Sibutramin bestehen vielfältige Anwendungs­verbote und Nebenwirkun­gen, die eine ärztliche Überwachung dringend er­forderlich machen. Hierzu zählen insbesondere kli­nisch bedeutsame Blut­drucksteigerungen, Herzrhythmusstörungen und in Einzelfällen die Auslösung von Myokardinfarkten. Während Schwanger­schaft und Stillzeit ist Si­butramin kontraindiziert. Gefährliche Wechselwir­kungen können auch bei der gleichzeitigen Einnah­me von Psychopharmaka entstehen.

“Wie bereits in unserer letzten Mitteilung zu chinesischen Schlankheitskapseln (Pharm. Ztg. Nr. 31, vom 2. August 2005, Seite 67) weist die AMK darauf hin, dass der Handel mit den genannten Produkten nach dem Arzneimittelgesetz ein Straftatbestand ist, der mit Freiheitsstrafe oder mit Geldstrafe geahndet werden kann.“ ( Aus „Pharmazeutische Zeitung“  Nr. 07 aus 2006, AMK Meldung )

Das ZL beantwortet Anfra­gen zu Problemen und Aufgabenstellungen der täglichen Apothekenpraxis, wie Verdachtsproben auf Corticosteroide, Rausch- und Suchtmittel, Arzneimit­telfälschungen oder ungewöhnliche Verunreinigun­gen wie  Schwermetall­spuren. Stellt eine Apothe­ke in Deutschland bei der täglichen Arbeit oder der durch die Apothekenbe­triebsordnung vorgeschrie­benen stichprobenartigen Prüfung aller eingehenden Fertigarzneimittel eine Be­sonderheit, einen Fehler fest — oder treten sonstige Reklamationen von Arznei­mitteln durch Patienten auf, werden diese durch die Apotheke an die AMK gemeldet  und, sofern es sich um analytische Frage-stellungen handelt, an das ZL weitergeleitet, welches dann die adäquaten Maßnahmen ergreift: Wird z.B. festgestellt, dass in einer Charge eines Medika­mentes die Beipackzettel fehlerhaft sind, dann wird umgehend - durch die Fach­medien - dieser Fehler  al­len deutschen Apotheken sowie den betroffenen Hersteller mitgeteilt und die erforderlichen Maßnahmen eingeleitet, wie z.B. Rückruf der gesamten betroffenen Charge. Aktuell führt das Zentrallabor (ZL) bundesweite Ringversuche durch, die die Qualität der individuell in Apotheken hergestellten Rezepturarzneimittel beurteilen. Die Bundesapothekerkammer empfiehlt allen Apotheken die Teilnahme. Die teilnehmenden Apotheken erhalten bei erfolgreicher Teilnahme ein Zertifikat, was die Übereinstimmung der hergestellten Rezeptur mit den gültigen Qualitätsstandards bestätigt.

Es können auch die in der Apotheke angebote­nen Messverfahren (wie Blutzuckerbestimmung, HbA1C Werte, Leberwerte usw.) auf ihre Genauigkeit hin überprüft werden. Für den Verbraucher, d.h. Patienten, wäre es ein ein­deutiges Qualitätsmerk­mal einer Apotheke, wenn Apotheken die Qualität der selbsthergestellten Arzneimittel durch regelmäßi­ge, stichprobenartige Un­tersuchungen eines zertifizierten Labors, wie die des ZL, belegen und ihren Kunden dokumentieren könnten. Dies erscheint umso mehr geboten, weil für die Apotheke im Gegensatz zum pharmazeutischen Industriebetrieb keine besondere Herstellungserlaubnis und kein Qualitätsmanagementsystem vom Gesetzgeber aus zwingend vorgeschrieben sind.

Immerhin stellen Deutsch­lands Apotheken jährlich zwischen 15 und 25 Millio­nen Rezepturarzneimittel in Form von Salben, Kap­seln, Pulvern und Infusi­onslösungen  vor allem im Bereich der Dermatologie, der Onkologie sowie in der HNO-Heilkunde her.  Im § 55 Abs. 8 des Arzneimittel­gesetzes (AMG), heißt es : “Arzneimittel dürfen nur hergestellt und zur Abgabe an den Verbraucher im Geltungsbereich dieses Gesetzes in den Verkehr gebracht werden, wenn die in ihnen enthaltenen Stoffe und ihre Darreichungsfor­men den anerkannten pharmazeutischen Regeln entsprechen”.

Hier sind klare Standards für die Herstellungsprozes­se, als auch für die hygie­nischen Bedingungen im Rahmen der Selbstherstel­lung zu setzen und deren Einhaltung zu belegen. An dieser Stelle könnte und müsste die Apotheke ihre pharmazeutische  Kompetenz, die an dieser Stelle auch als hervorragendes Kundenbindungsinstrument aus betriebswirtschaftlicher Sicht Sinn macht, sehr viel deutlicher  demonstrieren als es heute noch geschieht.

Als eine zweite beispielhafte Institution, die für den Kontakt des Apothekers zu besonders engagierten Patienten in seinem Umfeld  von enormer Bedeutung ist, möchte ich die  Kontakt und Informationsstellen für Selbsthilfe (KISS) an dieser Stelle vorstellen. Der Zusammenschluss von Patienten, die von bestimmten Leiden betroffen sind, macht deutlich welche gesundheitlichen Probleme in der jeweiligen Region besondere Bedeutung und Gewichtung haben. Der Leidensdruck einer Patientengruppe findet in diesen Organisationen seinen sichtbaren Ausdruck. Der gesundheitspolitische Auftrag des Apothekers verlangt geradezu, die Kooperation mit den Selbsthilfegruppen aktiv zu suchen und mitzugestalten. Seine pharmazeutische Kompetenz ist hier genau so sehr gefragt wie genauso oft auch vermisst - leider. Die Patienten der Selbst-hilfegruppen sind dankbar für jede seriöse und fachkundige Hilfe. Der Apotheker kann sich und seine Apotheke, d.h. insbesondere auch seine leitenden  Mitarbeiter zu geschätzten Gesprächspartnern etablieren, was sich letztendlich als hervorragende Kundenbindungsstrategie auch betriebswirtschaftlich positiv auszahlt. Die KISS Stellen unterstützen alle Initiativen von Fachleuten, die den von ihnen betreuten Selbsthilfegruppen von Nutzen sind. Die Apotheker sollten hier aktiv den Kontakt zu den KISS suchen und ihr Leistungsportfolio vorstellen. Der Beruf des Apothekers kann seine Bedeutung für die  regionale Gesundheitsversorgung und damit auch seine Existenzberechtigung kaum besser demonstrieren. Für diese Aktivitäten ist die  Berufsgruppe der Apotheker,  geradezu prädestiniert und leistet für einen Berufsstand, der sich  als Heilberufler versteht, mehr als es  marktschreierische Rabattaktionen  vermögen. Der Apotheker erhält für seine Aktivitäten vielfältige Unterstützung von der Pharmazeutischen Industrie in Form von Materialien und Manpower. Er steht also nicht als Einzelkämpfer da.

Er muss nur die Initiative ergreifen, da er seine Kunden und Patienten, seine regionalen Besonderheiten besser als jeder andere kennt. Die regionalen Repräsentanten der Pharmaindustrie warten nur auf die Chance den intensiven Kontakt zu ihrem „Endkunden“ zu finden. Die gesunde Balance zu finden zwischen den, natürlicherweise vorhandenen geschäftlichen Interessen der Industrie, und den, natürlicherweise vorhandenen ernsten gesundheitlichen Patienten-interessen, ist eine nicht immer einfache Aufgabe des Initiators. Sie ist aber mit dem pharmazeutischen Sachverstand eines Apothekers immer zu lösen. Die positiven Ergebnisse lohnen den Aufwand allemal.

Die Veranstaltung „Gesundheitstage Rhein-Nahe“ in den Jahren 1998 - 2001, deren Initiator und Organisator der Autor dieses Beitrages war,  im Landkreis Mainz-Bingen, also noch am äußersten Rande des Rhein-Main Gebietes, war charakterisiert durch eine Symbiose von Unternehmen aus der Pharmaindustrie  - als zahlende Teilnehmer -  und Selbsthilfegruppen, die die Besucher über ihre Arbeit, ihre Leiden und Probleme informierten. Zum Gelingen der Veranstaltung trug ganz wesentlich die Unterstützung der KISS in Mainz bei. Bei den dritten Gesundheitstagen Rhein-Nahe war die Bekanntheit schon bis ins Gesundheitsministerium Mainz vorgedrungen, welches folgerichtig in der Person des damaligen Ministers auch die Schirmherrschaft der Veranstaltung übernahm.

Der große Erfolg dieser Veranstaltung in der Bevölkerung und bei den Veranstaltungsteilnehmern bewies die Richtigkeit dieses Konzeptes. Solche Veranstaltungen bringen das Thema „Gesundheit“ im regionalen Umfeld einer oder mehreren Apotheken zusammen mit  ansässigen Ärzten, Therapeuten und den anderen Leistungserbringern der Branche,  der Bevölkerung nahe und vermitteln einen Teil des Wissens, welches für einen mündigen Patienten notwendig ist. Auch für Krankenkassen dienen Gesundheitstage als Plattform, um in Kontakt zu ihren Mitgliedern und natürlich auch zu ihren Noch-Nicht-Mitgliedern zu treten. In zahlreichen regionalen Gesundheits-tagen findet dieses Kon-zept erfreulicherweise seit-her seine Nachahmer. Frau Christiane Gerhardt, Leiterin der KISS Mainz, sagt in ihren KISS NEWS zum 15 jährigen Bestehen der KISS:

„Unser Motto „gemeinsam statt einsam“ ist für uns ein Grundsatz, der   unsere Arbeit von Beginn an prägt. Als Ansprechpartner für Menschen mit    Handicap und für Professionelle aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich fördern wir den Gedanken, dass sich Betroffene zu Gruppen zusammenschließen können und voneinander lernen. Dabei unterstützen wir in allen organisatorischen, thematischen und fachlichen Angelegenheiten,  und werden dies auch weiterhin in Zukunft mit viel Engagement tun. Für das entgegengebrachte Vertrauen bedanken wir uns bei Ihnen.“

Abschließend stelle  ich noch eine  Initiative für ältere Menschen in Wiesbaden vor: In der hessischen   Landes-hauptstadt  ist  eine Beratungsstelle für selbstständiges Leben im Alter eingerichtet worden, die sich in 8 verschiedenen Stadtbezirken mit eigenen Beratungsstellen präsentiert. Die Beratungsstellen arbeiten intensiv mit den Diensten und Einrichtungen der Altenarbeit und des Gesundheitswesens in Wiesbaden zusammen und unterstehen dem Amt für Soziale Arbeit. Dieser regionalisierte soziale Dienst der Stadt Wiesbaden unterstützt und berät Wiesbadener Bürgerinnen und Bürger ab 60 Jahren in allen Fragen, die mit dem Älterwerden zusammenhängen. Angesichts der demographischen Entwicklung der Bevölkerung eine mehr als begrüßenswerte Initiative. Die Unterstützung bezieht sich nicht nur auf Fragen der häuslichen Pflege und Versorgung, wenn auch hier die Schwerpunkte liegen, sondern und das ist besonders wichtig, auch auf Angebote zu Bildung und allen anderen Aktivitäten im Alter. Die Angehörigen werden in die Beratung mit einbezogen. Angehörigenintegration – eine wichtige und unbedingt notwendige, genauso wie häufig vernachlässigte Maßnahme, um erfolgreiche Beratungsarbeit zu leisten.

2    Die Beratung wird für die angesprochenen Bürgerinnen und Bürger übrigens kostenlos angeboten. Eine  sinnvolle Verwendung von Steuergeldern.    Sinn und Zweck der Initiative ist es auch, die Lebensqualität  älterer Menschen in ihrem sozialen Umfeld zu gewährleisten oder zu schaffen. Der Begriff  der „Lebensqualität“ ist individueller Natur und kann nur von jedem Betroffenen für sich selbst zufrieden stellend definiert werden. Andere können und dürfen im Sinne des Betroffenen nur Hilfestellung anbieten und leisten. Die Generation 30- kann nicht die Kriterien einer Lebensqualität für die Menschen 60+ vorschreiben. Beide Gruppen können sie jedoch gemeinsam erarbeiten. Leider handelt es sich hier um eine Idealvorstellung, die in der Realität eines Gemeinwesens so nicht anzutreffen ist. Umso mehr sind Initiativen zu begrüßen die, jenseits vom harten Kommerz,  versuchen Menschlichkeit im Umgang der Generationen miteinander zu pflegen, um sich dem Ideal zu nähern. Die Kooperation mit  mobilen Diensten und Einrichtungen der Altenarbeit im Stadtteil, sowie Ärzten, Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen, Kranken- und Pflegekassen bewirkt effizientes Arbeiten zum Wohl der Zielgruppe. Die Schnitt-stellen zum Apotheker sind  evident. Die Apotheke vor Ort sollte nicht nur durch das passive Auslegen von Flyern  Interesse bekunden, sondern sich selbst aktiv in das Geschehen einbringen. Speziell geschulte Mitarbeiter können diese Aufgaben in und außerhalb der Apo-thekenoffizin übernehmen. Diese drei exemplarisch für die Region Rhein-Main vorgestellten Beispiele zeigen, welche noch nicht oder   ungenügend genutzten Potenziale zur Verfügung stehen, womit der Apotheker  als regional kompetenter und gesuchter Gesprächspartner in Gesundheitsfragen auftreten kann. Die Apothekerschaft muss ihre Rolle im Gesundheitswesen unseres Gemeinwesens noch mehr nach außen hin demonstrieren und Kontakte zu den Gruppen und Initiativen in ihren  Regionen aktiv pflegen. Die Aktivitäten müssen sich natürlich  auf bestimmte Patientengruppen  beschränken und konzentrieren. Die Präsenzapotheke vor Ort hat für die Arbeit in diesen Netzwerken hervorragende Karten. Sie müssen aber gezogen werden. Erfolgreich sind diejenigen, die es ver-stehen in Netzwerken zu denken und zu agieren. Solche Beispiele demonstrieren sehr gut, dass regionale Konzepte in der Gesundheitsversorgung hohe Qualität und Effizienz besitzen.  Die Initiativen können nur aus der Re-gion kommen, wenn sie auf die Anforderungen und Bedürfnissen der dort lebenden Menschen optimal abgestimmt sein sollen - und nicht aus Berlin. Dort können nur die Rahmenbedingungen geschaffen werden, welche  regionale Aktivitäten unterstützen oder auch Hindernisse beseitigen helfen. Es ist mir nur zu gut bewusst, zahlreiche andere interessante Projekte und Aktivitäten nicht angesprochen zu haben.

1 Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) ist ein Fachausschuss der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Nach der Apothekenbetriebsordnung sind Apotheken verpflichtet, bei Verdacht auf Qualitätsmängel ihre Überwachungsbehörde zu informieren. Da die Apotheke aber oft nicht feststellen kann, ob es sich um einen Herstellungsfehler handelt, werden Verdachtsfälle parallel an die AMK gemeldet. Die AMK erfasst diese Meldungen der Apotheken zur Arzneimittelqualität und -sicherheit, untersucht das Arzneimittel im eigenen Zentrallabor und gibt die Information im Rahmen des Stufenplanverfahrens an die Bundesbehörden weiter. Die AMK verfügt über ein Informationssystem, mit dem innerhalb weniger Stunden bedenkliche Arzneimittel bundesweit aus den Apotheken zurückgerufen werden können.

2 Wolfgang George (Hrsg.): Evidenzbasierte Angehörigenintegration,Wolfgang George (Hrsg.): Evidenzbasierte Angehörigenintegration. Pabst Science Publishers (Berlin, Bremen, Miami, Riga, Rom, Viernheim, Zagreb) 2005. 205 Seiten. ISBN 978-3-89967-170-4